Mal wieder eine kleine Geschichte von mir! Alle Personen und Handlungen sind frei erfunden, eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Viel Spaß!
Eine Herbstliebe!
Trish war froh diesen Job bekommen zu haben. Sie tanzte für ihr Leben gern und so ne Tour sicherte ihr mindestens gutes Geld für 5-6 Monate. Die Vorbereitungen waren eigentlich ganz gut. In der Truppe fühlte sie sich recht wohl, nur die Hauptdarsteller dieser Show – na an die mußte sie sich erst noch gewöhnen. Sie hatten schon einen seltsamen Humor. Trish war halb Engländerin und halb Deutsche. Bei ihr zu Hause überwiegte allerdings das deutsche. Ihre Mutter hatte sehr darauf geachtet das Trish beide Sprachen fließend spricht – auch wenn ihr zu Hause in England war. Trish war stolz darauf – die meisten verlernen ihre Muttersprache mehr oder weniger. Ihr Vater war beruflich sehr viel unterwegs und so hatte ihre Mutter die alleinige Erziehung übernommen. Wenn Trish sehr sauer war, fluchte sie auf Deutsch – in dem Glauben sie verstand niemand. Howard hingegen spitzte bei diesen Gelegenheiten immer seine Ohren – er verstand jedes Wort. Er gab sich aber nicht zu erkennen – sondern genoß es so mitzubekommen was in Trish so vorging. Ja sie war tatsächlich Tänzerin bei der Gruppe Take That. Für sie war es allerdings nur ein Job wie jeder andere auch. Sie war auch schon bei Bon Jovi, Madonna, Jennifer Lopez und vielen anderen dabei. Sie hatte also gute Referenzen und so war ihr, ihr Platz schnell sicher.
Die Proben waren sehr lustig und gingen gut voran. Jetzt hatten sich wirklich alle eine Pause verdient! „Hey, bringst du mir mal einen Kaffee“ hörte Trish eine Stimme. Sie drehte sich um und ein grünes Augenpaar blinzelte sie an. „Stehst doch gerade da – ist doch kein Problem oder?“ sagte das grüne Augenpaar grinsend. „Nein – überhaupt nicht.“ Trish gab sich so freundlich wie möglich. Dieser Kerl ging ihr auf die Nerven. Bei jeder Gelegenheit bat er Trish um etwas. Stand sie am Buffet durfte es das Brot sein, an den Getränken hätte er auch gerne ein kleines Wasser und jetzt einen Kaffee. Wer war sie denn? Seine Bedienstete? Noch mehr fluchte sie jetzt weil die Kanne leer war. Nie füllte jemand wieder den Kaffee auf. Wütend und fluchend, in Deutsch versteht sich, stand sie nun vor der Maschine und schüttete ohne abzumessen Pulver in den Filter. Es war reichlich und der Kaffee würde so stark wie ein super Espresso werden. Der Gedanke gleich diesen Kaffee an die grünen Augen zu reichen gefiel ihr sehr gut. „Bitte einmal Kaffee. Ich hoffe du magst ihn stark.“ Trish stellte die Tasse direkt vor Gary und ging an den Nebentisch zu ihren Kolleginnen. „Klar extra stark ist immer gut“ grinste Gary und nahm einen großen Schluck. „Boäh, was ist das denn?“ verzog er sein Gesicht und spurtete zum Spülbecken und spuckte den restlichen Kaffee der noch im Mund war in den Ausguss. Jason, Mark und Howard lachten sich schlapp am Tisch. „Klar extra stark ist gut. War wohl nix Gaz. Bist zu schwach für ihre Mischung“ lachte Mark und ihm liefen Tränen die Wangen runter. Jason drehte sich zu Trish und zeigte ihr mit einem breiten Grinsen den Daumen hoch. „Das hat bisher noch niemand geschafft. Wer hätte gedacht das wir ihn mal spucken sehen.“ Howard schaute Trish mit großen Augen an. Er hatte vorher gehört wie sie geschimpft hatte und zwar jedes Wort. „Dieser blöde Idiot, kann der seinen Arsch nicht selber heben. Dem werde ich es noch zeigen. Was denkt er wer er ist – Gott?“ Howard schaute nun zu Gary, der hustend und mit rotem Kopf am Becken stand und sich ein Glas mit Wasser reinkippte. „Verdünnen ist sehr gut Gaz, hättest du vielleicht allerdings machen sollen, bevor du ihn dir reingekippt hast.“ Auch er konnte einfach sein lachen nicht unterdrücken. Die Mädels amüsierten sich nicht weniger am Nebentisch und Gary stand da und kam sich irgendwie blöd vor. Er schaute zu Trish und gab ihr ein Zeichen zur Kampfansage. Trish nickte ihm nur zu und machte eine wegwerfende Bewegung mit der Hand. Die Mädels beendeten ihre Pause und gingen zurück in den Probenraum. „Jungs das kriegt sie zurück, da lasse ich mir was Nettes einfallen.“ Alle drei schauten ihn fragend an. „Sag mal Gaz, was ist das eigentlich mit euch beiden? Warum behandelst du sie so. Sie ist hier Tänzerin und nicht Küchenmädchen.“ Mark grinste immer noch. „Was meinst du damit? Ihr geht mit ihr auch nicht gerade zimperlich um. Erinnere euch nur an die Aktion sie da oben auf dem Heiligenschein zappeln zu lassen. War auch nicht gerade nett. Oder Howard! Hattest du ihr nicht vorgestern den Pudding in die Schuhe geschüttet. Mark wenn ich mich nicht irre hattest du ihre Bürste mit Honig eingeschmiert. Und Jay du hast bestimmt auch irgendetwas gemacht, was mir aber gerade nicht wieder einfallen will.“ Gary schaute abwartend in die Runde. „Na ja, irgendwie, irgendwann fing das an. Aber wir behandeln sie trotzdem nicht so – na du weißt schon“ stammelte Jason vor sich hin. „Es ist einfach nur Spaß und sie revanchiert sich auch immer großzügig dafür. Der Pfeffer in meinem Hut war nicht gerade witzig. Und ich glaube Howard fand das Salz in seinen Socken auch nicht toll. Jason sah nachdem er seine Sonnenbrille abgesetzt hatte auch sehr lustig aus, sie hatte sie mit Schuhcreme eingerieben. Also einfach nur Spaß. Wir nehmen es ihr nicht krumm und sie uns nicht. Aber ich glaube sie ist schon sauer das du sie immer so rumschickst.“ Mark rückte ein wenig mit dem Stuhl zurück. „Mir ist das nicht aufgefallen. Ich meine wenn sie doch gerade da steht, ist es da so schlimm mir einen Kaffee mitzubringen? Die soll sich mal nicht so haben.“ Gary setzte sich eingeschnappt wieder auf seinen Stuhl. „Nun ja, sie gibt dir sehr nette Kosenamen.“ Howard grinste Gary frech an. Gary zog eine Augenbraue hoch. „Raus damit. Du verstehst doch was sie quasselt – ist doch deutsch oder?“ Howard zögerte kurz doch dann haute er es Gary genüsslich um die Ohren. „Idiot und Arsch sind ihre Lieblingsnamen für dich. Arroganter Arsch ist auch sehr beliebt und eingebildeter Blödmann ist ganz dich gefolgt von, blöder Fatzke. Reicht dir das erstmal?“ Mark und Jason schauten Howard mit offen stehendem Mund an. Gary konnte sein Entsetzen nicht so richtig verbergen. „Alle Achtung, die drückt sich ja richtig gewählt aus. Also an Phantasie mangelt es ihr jedenfalls nicht.“ Jason konnte sich bei diesen Sätzen das grinsen einfach nicht verkneifen. Mark konnte nur noch mal betonen: „Da hast du es Gaz, sie ist wirklich sauer weil du sie so behandelst.“ Gary war jetzt auch sauer. Er war sich nicht darüber im Klaren so einen Eindruck bei ihr zu hinterlassen. Er war ein netter Kerl und davon überzeugt die Frauen gut zu behandeln, bisher hatte sich jedenfalls noch keine beschwert. Trish probte wie eine verrückte und nahm wirklich jede Kritik sehr, sehr ernst. Ihr Partner sollte Howard sein und der konnte wirklich nur glänzen. Sie wollte neben ihm eine gute Figur machen also legte sie nochmal eins drauf. Abends war sie wie erschossen und zu nix mehr in der Lage. Der Choreograph hatte sie schon mehrmals ermahnt sie müsse mehr essen, die Kostüme sind zwar sehr schmal geschnitten, aber wenn sie so weiter machen würde, würden sie ihr bald nicht mehr passen. Aber auch heute Abend war Trish einfach zu müde um sich noch etwas zu kochen. Mit einer Tüte Chips legte sie sich vor den Fernseher und eine halbe Stunde später war sie schon tief und fest eingeschlafen. Sie hörte ihr Telefon nicht klingeln und auch die Türklingel blieb unbeantwortet. Gary stand vor ihrer Tür mit dem Handy in der Hand und schimpfte was das Zeug hielt. „Licht brennt und Fernseher an, wieso macht sie denn nicht auf?“ Er war extra gekommen und wollte mit ihr sprechen. Kieth hatte ihn angesprochen er möge Trish doch mal ins Gewissen reden. Er war der Meinung sie Verausgabe sich zu sehr und wäre zu ehrgeizig. Außerdem wollte er eigentlich die Gelegenheit nutzen um die Differenzen zwischen ihnen zu beseitigen. Jetzt war er allerdings nur wütend. Er nahm an sie wüßte das er vor ihrer Tür steht und würde ihm einfach nicht aufmachen. Mit Rachegedanken für den nächsten Tag machte er sich auf den Weg nach Hause.
Am nächsten Morgen erschienen alle gut gelaunt wieder zu den Proben. Der gestrige Tag war vergessen und der Spaß konnte von Neuem beginnen. Howard, Mark und Jay hatten für sich wohl beschlossen, Trish für ein paar Tage zu verschonen. Gary hatte sich nicht solche Gedanken gemacht. Er überlegte schon wieder einen neuen Streich. Trish verließ den Aufenthaltsraum und ließ ihre Wasserflasche stehen. Großer Fehler, sehr großer Fehler. Die Proben waren im vollen Gange und alle mächtig am schwitzen. „Kurze Pause“ rief Trish zu Kieth rüber und schnappte sich ihre Wasserflasche. Sie nahm einen Schluck und eh man sich versah landete dieser Schluck auf dem Boden. Sie schüttelte sich kräftig und verzog angewidert das Gesicht. Sie schaute sich um und wußte sofort wer dafür verantwortlich war. Gary stand mit vor Brust verschränkten Armen an der Wand gelehnt und grinste vor sich hin. Wenn ihre Geschmacksnerven nicht abgetötet waren, schmeckte dieses Wasser sehr nach Essig. „Trish was soll das denn? Los hol einen Lappen und mach das sofort sauber, hier will sich wegen dir keiner die Knochen brechen“ rief Kieth ihr sehr böse zu. Trish schaute sich einmal um und hatte schon den passenden Lappen gefunden. Sie ging auf Gary seine Klamotten zu, schnappte sich ein Shirt, hielt es einmal triumphierend hoch und kniete sich dann hin und wischte die Pfütze weg. Howard, Mark und Jason konnten nicht mehr vor Lachen und klatschten Applaus. Trish lächelte während sie wischte genüßlich Gary an. „So Leute es reicht jetzt. Ich will dass mit diesem Kindergartenmist hier Schluß ist. Ihr seit Erwachsene Leute, benehmt euch jetzt auch gefälligst so. Ich möchte das hier jetzt Ruhe ist.“ Kieth hatte einen roten Kopf und seine Geduld war nun wirklich am Ende. So lange die Proben nicht gestört wurden waren ihm die Neckereien ja egal, aber wenn er seine Arbeit nicht richtig machen konnte dann wurde er sehr ungemütlich. Seine Worte kamen genau da an wo sie ankommen sollten. Gary, Howard, Mark und Jason standen wie vom Donner gerührt kerzengerade auf ihren Plätzen und nickten ganz eifrig in Kieth´s Richtung. Trish allerdings schaute nur Gary an und schüttelte mit dem Kopf. Sie stand auf, ging in seine Richtung und sagte: „Dir vergeht dein blödes Grinsen noch du Clown.“ Gary schaute sie fragend an. „Was hast du gesagt? Wenn du mit mir sprichst dann bitte so das ich es verstehe, rede gefälligst englisch mit mir.“ „Das kannst du gerne haben. Ich habe gesagt, das dir dein Grinsen noch vergehen wird, du Clown“ wiederholte Trish, jetzt in englisch und schmiss Gary sein Shirt wieder in die Ecke zu seinen anderen Klamotten. Dann machte sie auf dem Absatz kehrt und ging mit in den Nacken geworfenen Kopf wieder zurück auf ihre Position um mit den Proben fortzufahren. Gary schaute ihr sprachlos hinterher. „Ganz schön frech die Kleine“ bemerkte Howard. „Jetzt hat sie es dir aber gegeben“ fiel Mark mit ein. Jason schaute erst zu Trish dann zu Gary und dachte „Was sich neckt das liebt sich“. „Na du Clown und was jetzt? Die Runde geht auf jeden Fall an sie“ mußte auch Jason einen Kommentar abgeben. „Meine Herren bitte. Wir sind hier nicht zur Plauderstunde ja. Jeder zu seiner Tanzpartnerin und dann wollen wir hier heute nochmal was konstruktives leisten.“ Das Training war hart und Kieth ließ keine Pause zu. Howard und Trish waren in Höchstform, Kieth war begeistert. „Also ihr Süßen, ihr macht das wirklich toll. Trish ist alles o.k.?“ Kieth hatte den Satz gerade noch beenden können und Howard hielt Trish ganz fest, sonst wäre sie nämlich auf den Boden geknallt. Sie hatte alle Farbe aus dem Gesicht verloren und schnappte nach Luft. Gary schaute besorgt zu ihr. War es seine Schuld? Der Essig? Howard ließ sich ganz sachte mit ihr zu Boden gehen. „Bringt mal jemand was zu trinken“ rief Howard in den Raum. Gary reagierte sofort, nahm seine Wasserflasche und brachte sie zu den beiden. „Hier nimm erstmal einen Schluck“ hielt Howard ihr die Flasche an den Mund. „Geht schon wieder, danke“ sagte Trish ganz müde und mit dünner Stimme. Kieth kniete sich neben die beiden und sagte: „Mädel du mußt mal was essen. Wann hast du zuletzt was gegessen?“ „Gestern Abend – antwortete Trish matt.“ Gestern Abend war natürlich gelogen – die Chips konnte man wohl nicht als Essen bezeichnen. Heute Morgen hatte sie das Haus ohne Frühstück verlassen – sie war einfach zu spät dran. „Wir machen eine Pause“ sagte Kieth etwas genervt. Howard half Trish vom Boden auf und schleppte sie sofort in den Pausenraum. „Setz dich, du ißt jetzt erst einmal was“ befahl er ihr. Sie wehrte sich nicht und nahm sofort Platz. „Gary hatte ich dich nicht gebeten mit ihr zu sprechen. Sie ist gut, wirklich gut, aber wenn sie so weiter macht ist sie bis zur Tour im Eimer.“ Gary schaute Kieth verzweifelt an. „Ich war gestern Abend bei ihr, sie hat mir aber nicht geöffnet.“ „Nun ja – ich würde dir wahrscheinlich auch nicht öffnen wenn ich sie wäre. Wird hier den ganzen Tag schikaniert – da will sie dich nicht auch noch abends an der Backe haben.“ Gary war wie vor den Kopf gestoßen. Schikanieren konnte man das wohl wirklich nicht nennen. Es war lediglich Spaß. Obwohl er jetzt das Gefühl hatte mit dem Essig war wohl ein bisschen to much. Unterdessen hatte Howard sich rührend um Trish gekümmert. Er hatte ihr zwei Toast mit etwas Butter geschmiert und ihr zur Wahl Wurst und Käse auf einen kleinen Teller gelegt. „Hier jetzt mal rein damit, dein Magen ist bis nach China zu hören“ lächelte Howard sie an. „Danke“ antwortete Trish nur sehr knapp. Ihr war die Aktion peinlich. Sie war doch kein Schlappschwanz und jetzt schauten alle auf sie. Sie war ein Profi. Sie hatte Tourerfahrung ohne Ende, so etwas war ihr noch nie passiert. Hart war es hier – aber eigentlich nicht härter als woanders. Natürlich wußte niemand dass sie jeden Abend wenn alle weg waren nochmals zwei Stunden alleine übte. Die Anforderungen waren hoch und sie wollte ihnen gerecht werden. Ein weiterer Grundsatz war für sie – fang nie etwas mit deinem Tanzpartner an. Gleich zweimal nicht wenn es auch noch einer aus der höheren Etage ist – sprich in diesem Fall Mitglied der Gruppe. Trish wurde jetzt von Howard aus ihren Gedanken gerissen. „Du hör mal ich muß dir was sagen.“ „Ja was denn“ schmatze sie Howard an. „Ich verstehe jedes Wort von dem was du sagst.“ Trish schaute ihn unbekümmert an. „Ist schon klar, ich rede ja auch schon seit meinem 2. Lebensjahr englisch - vorher war es mehr so gebrabbel.“ Trish hatte nicht richtig verstanden und Howard setzte noch einmal an. „Ich meine wenn du schimpfst.“ Trish blieb fast dar Toast im Hals stecken und sie hustete kräftig. „Du verstehst wenn ich hier rumfluche?“ krächzte sie. Howard lächelte und antwortete: „Ja jedes Wort. Am besten gefällt mir „Arroganter Arsch und blöder Clown.“ Trish ging nur ein lahmes lächeln über ihr Gesicht. „Versteht er auch deutsch?“ kniff Trish ihre Augen zusammen. Howard war sehr schlecht im Lügen. „Nein versteht er nicht. Ich war allerdings so frei und habe den Übersetzer gespielt. Tut mir leid – aber er weiß ja das ich es verstehe und als er gefragt hat….“ Trish unterbrach Howard. „Schon gut. Habe ihm eben ja auch meine netten Worte übersetzt – ich stehe dazu. Er behandelt mich als wäre ich ne Küchenaushilfe. Er guckt durch mich hindurch und würdigt mich keines Blickes. Außer das ihr diese netten Scherze auf Lager habt – seit ihr allerdings auch nicht viel besser. Die Truppe ist ganz o.k. aber die Chefs müssen in Punkto Mitarbeiterführung noch sehr viel lernen.“ Howard schaute Trish mit großen Augen an. Oh Mann waren sie wirklich so ätzend? Howard hatte sich eingebildet sie würden mit allen nett und vorbildlich umgehen. „Das ist wirklich keine böse Absicht. Im Moment ist alles noch ein bißchen viel. Die Vorbereitung – alle Tänzer sind neu – wir sind eigentlich ganz nette Jungs. Schade wenn du dich hier nicht wohlfühlst.“ Trish schaute ihn versöhnlich an. „Nicht wohlfühlen würde ich nicht sagen – vielleicht tue ich mich auch schwer. So ne große Tour habe ich noch nie mitgemacht und so eine aufwendige gleich zweimal nicht. Klar war ich schon bei großen Touren dabei – aber es war irgendwie anders.“ Unruhig rutschte Trish auf ihrem Stuhl hin und her. Wie kam sie aus der Nummer wieder raus. Er würde sie bestimmt als jammerndes Baby an die anderen verraten. „Ich würde es ganz toll finden wenn dieses Gespräch unter uns bleiben würde“ fügte sie schnell noch hinzu. Howard nickte ihr zu und stand dann auf. „Also ich gehe mal schauen ob die schon weiter machen – iß du mal in Ruhe zu Ende.“
Als Howard in den Raum kam standen alle noch so rum wie wo er den Raum verlassen hatte. „Was ist denn? Wo ist Trish?“ Kieth war wirklich sehr ungeduldig. „Sie ißt noch schnell zu ende dann kommt sie“ antwortete Howard und nahm sogleich seinen Platz ein. Die bohrenden Blicke seiner Kumpels übersah er wohlweislich. Gary nutzte die Gelegenheit und ging in den Pausenraum. „Also nein so geht das hier nicht – wegen mir brechen wir für heute ab.“ Kieth schnappte sich sein Handtuch und Trinkflasche und verschwand durch den Hinterausgang. Alle anderen schauten sich fragend an. „Na dann“ klatschte Jason als erster in die Hände „Schönen Nachmittag noch.“ Schnell wuselten alle ihre Klamotten zusammen und verschwanden. Gary war unterdessen zu Trish gegangen. „Hei , geht es wieder?“ sprach er sie von hinten an. Trish wirbelte einmal herum. „Ja danke geht schon wieder“ nuschelte sie ihn an. „Es tut mir leid. War ein wenig übertrieben mit dem Essig. Sollte es dir deswegen so schlecht geworden sein dann bitte ich dich nochmal vielmals um Entschuldigung.“ Gary setzte sich neben sie. „Nein, das war nicht der Essig. Ich bin hart im nehmen. Das war wirklich weil ich nichts gegessen hatte. Aber jetzt ist mein Magen gefüllt und es kann weiter gehen.“ Trish wollte nicht länger als nötig mit Gary hier sitzen – ihr war es unangenehm. Bisher hatten beide sich aus der Ferne bekriegt und ihm jetzt so in die Augen zu gucken fand sie komisch – zumal es sehr schöne Augen waren. „Waffenstillstand?“ bot Gary ihr an und schaute sie so freundlich wie nur möglich an. Sie tat sich schwer ihm in die Augen zu blicken. „O.k. Waffenstillstand“ antwortete sie sehr schnell – sie wollte einfach nur weg hier. „Und wenn ich bitten darf keine üblen Kosenamen mehr – obwohl blöder Clown und arroganter Arsch wirklich was hat.“ Trish stieg die Hitze hoch und sie merkte wie ihr Gesicht glühte. Zu ihrer Rettung betraten jetzt die anderen Jungs den Raum. „Leute wir haben Feierabend. Kieth ist so angepisst, er hat es für heute hingeschmissen. Macht was Nettes draus – sowas werden wir nicht noch öfter erleben – es sei denn „Miss ich esse nix„ bricht nochmal zusammen“ sagte Jay und lächelte fröhlich in die Gegend. Trish wurde es wieder heiß und nun stand sie schnell von ihrem Stuhl auf und verschwand aus dem Raum. „Toll Jay, ganz toll. War nicht gerade sehr nett.“ Mark schüttelte mit dem Kopf und rollte die Augen. „Na sorry – ist doch aber so. Wäre sie nicht wegen Hunger zusammengeklappt würden wir jetzt noch da drinne schwitzen.“ Jason war der Meinung was wahr war konnte man ruhig auch so aussprechen. Howard und Gary schüttelten nur mit dem Kopf. Ja der liebe Jay, der sensibelste war er gerade nicht im Umgang mit den Frauen. Das Trish sich diesen Satz so zu Herzen nehmen würde – damit konnte er jetzt noch nicht rechnen. Sie war sofort in die Garderoben gelaufen dort in die Toilette, hatte sich eingeschlossen und weinte bitterlich. Sie kam sich vor wie der letzte Mensch auf Erden. Wegen ihr waren jetzt alle sauer. Sie hatte die Proben aufgehalten ja sogar zum Abbruch gebracht. Sie würde Thema Nr. 1 sein wenn morgen hier wieder alle auftauchten. Sie hörte jetzt schon das Getuschel und die blöden Sprüche von Kieth wenn irgendwas nicht klappen sollte. Die Jungs freuten sich den Nachmittag frei zu haben und beschlossen in einen Pub zu gehen. Sie wurden alle von niemandem erwartet und für alleine zu Hause rumzuhängen war es definitiv noch zu früh. Alle bestellten sich ein großes Bier und lehnten sich gemütlich zurück. Sie verstanden es zu genießen, so viel war klar. Howard ließ den Blick schweifen und mußte zweimal hinsehen. Das war doch Trish die da verheult in der Ecke saß und sich ein Bier reinkippte. „Jungs, ich bin gleich wieder da.“ Die drei schauten ihn erstaunt an und folgten ihm mit den Augen. Auch sie waren jetzt nicht weniger erstaunt wer da saß. „Hi, so ganz alleine hier?“ Trish hob den Kopf und rollte sogleich mit den Augen. „Hi, ja und ich würde es auch gerne bleiben.“ Howard ließ sich nicht abschrecken. „Mach dir keinen Kopf wegen heute. Du bist nicht die erste der das passiert ist. Morgen klappt alles wieder bestens und an heute denkt jetzt eh schon keiner mehr“ plapperte Howard los und nahm während dessen auf einem freien Stuhl Platz. „Ach wenn heute schon keiner mehr daran denkt, warum sülzt du mich dann jetzt damit voll?“ Trish hatte wirklich miese Laune und wollte einfach nur ihre Ruhe haben. „Hast du nicht Lust zu uns an den Tisch zu kommen? Die anderen Jungs sind auch hier.“ Na prima das hatte gerade noch gefehlt, Trick, Tick und Tack waren also auch da. „Hey das ist doch kein Weltuntergang und kein Grund sich hier jetzt volllaufen zu lassen. Wir sind auch wirklich ganz brav.“ Warum eigentlich nicht, man mußte auch mal Größe zeigen, sie war schließlich ein Profi. „Also gut überredet.“ Howard strahlte sie an als ob sie ihm die Ehe versprochen hatte. „Na dann komm.“ Schnell standen die beiden auf und gingen zu den drei anderen an den Tisch. „Ich habe da jemanden aus seinem Schneckenhaus geholt. Ihr seit doch einverstanden?“ Howard schob Trish um den Tisch herum auf einen freien Platz. „Klar immer zu uns, hier ist wenigstens was los“ grinste Gary. „Kein Problem wenn es für dich kein Problem ist Trish“ sagte Mark sehr freundlich. „Setz dich“ schluckte Jay. Ihm war klar dass jetzt erwartet wurde das von ihm noch Worte folgen würden und so tat er es auch brav. „Du Trish, das eben war wirklich blöd von mir. Entschuldige bitte.“ Trish schaute ihn matt an. „Schon vergessen, hattest ja Recht.“ Mehr konnte sie nicht sagen. Die Jungs waren beeindruckt das sie zugeben konnte das sie Mist gebaut hatte. Andere Frauen suchten nach Ausflüchten und Ausreden, sie tat es nicht – somit hatte sie schon mal einen Pluspunkt. „Du hör mal. Kieth ist wirklich begeistert von dir. Er findet dich richtig gut – vermassel es dir nicht. Ab jetzt wird regelmäßig was gefuttert und mit den Streichen ist jetzt Schluß“ sagte Gary sehr bestimmend. „Okay, angenommen und das mit dem Essen wird jetzt geändert. Ich wäre euch dankbar wenn wir das Thema dann für heute Abend abhaken könnten.“ Alle nickten kräftig mit dem Kopf und die Party konnte beginnen. Trish war wirklich sehr trinkfest so viel stand fest. Aber gegen Mark und Gary hatte sie keine Chance. Jay trank eh nicht viel und Howard hielt sich auch sehr zurück. Er vertrug zwar einiges, aber der nächste Tag war dann immer sehr böse zu ihm. Trisch verließ als erste die Runde! Howard ging ihr noch schnell hinterher. „Trish warte mal. Ich will dir nur sagen ich finde es gut das wir zusammen tanzen und es wird toll“ schnell hauchte er ihr einen Kuß auf die Wange! Trish wurde rot. „Danke Howard, das gibt mir Kraft für morgen“ sagte sie und verschwand draußen in der Dunkelheit. Die Jungs gönnten sich noch ein paar Drinks, doch steckte ihnen der morgige Tag drückend im Nacken. Gegen 1.00 Uhr machten sich alle auf den Weg nach Hause. Howard schlief an diesem Abend mit nur einem Gedanken ein. Morgen würde er Trish bitten mit ihm aus zu gehen und zwar alleine – nur mit ihm. Die Proben liefen wie geschmiert und Kieth schwebte im siebten Himmel. Früher als erwartet machte er Schluß. „Leute ihr habt heute top Qualität abgeliefert, ich finde wir können für heute Schluß machen. Morgen möchte ich euch Süßen in der gleichen Verfassung wiedersehen. Ich würde sagen weil ihr heute alle so sweet wart, morgen erst um 10.00 Uhr.“ Alle klatschten heftig Beifall und beeilten sich die Halle zu verlassen. Nur Howard ließ sich reichlich Zeit, wußte er doch das Trish meist die letzte war die aus der Umkleide kam. Genauso war es auch. „Hi. Trish ich würde mich freuen wenn du mit mir am Samstag zum Essen ausgehen würdest.“ Trish schaute Howard zweifelnd an. „Ich… nun ich.“ „Ach komm, es ist nur ein Essen“ Howard biß auf seiner Lippe herum. „Also schön Samstag Essen mit Howard, notiere ich mir gleich.“ Howard strahlte sie an, drehte sich um und hüpfte fröhlich in Richtung Ausgang. Trish blieb noch eine Weile stehen und schaute ihm lächelnd hinterher. Ihre Prinzipien hatte sie, ein Essen war ja noch kein Verbrechen. Die Woche ging sehr schnell zu Ende und der Samstag war da. Trish stand im Bad und schaute in den Spiegel. Ich gehe nur mit ihm Essen, mehr nicht. Sie sah einfach zauberhaft aus. Ihre langen braunen Haare hatte sie zu einer schönen Frisur hochgesteckt. In ihrer schwarzen Marlene Hose und dem roten Top sah sie einfach hinreißend aus. Zu hinreißend, überlegte sie ganz kurz und kam dann zu einem klaren nein. Howard holte sie pünktlich um 19.00 Uhr ab und brachte ihr sogar Blumen mit! Sie saßen noch eine Weile zusammen um dann in ein wirklich sehr feines Restaurant zu fahren. Trish hätte diesen Laden im Leben nicht alleine betreten – schon alleine wegen der Preise. Der Abend war herrlich. Die beiden redeten ohne Punkt und Komma. „Howard ich finde dich wirklich sehr nett“ Trish wollte eigentlich noch etwas sagen, doch Howard legte ihr seinen Zeigefinger auf die Lippen. „Schhhh“ machte er nur kurz und küßte sie dann das sie dachte sie fliegt mit ihrem Stuhl durch das Restaurant. Sie konnte sich nicht wehren, es war einfach zu schön. Der Besuch im Restaurant wurde kürzer als erwartet. Howard drängte zu gehen und Trish wehrte sich wieder nicht. Was war nur los? Wie von Geisterhand bewegt zu werden ging sie mit ihm in seine Wohnung und gab sich ihm völlig hin. Danach lagen beide schweigend nebeneinander. „Howard ich mache so etwas eigentlich nicht. Ich meine, nicht eigentlich, ich habe so etwas noch nie gemacht.“ Howard lächelte sie an. „Mit dem Boß ins Bett gehen?“ „Nicht nur nicht mit dem Boß, mit keinem aus der Truppe. Es ist nicht gut.“ Howard lächelte sie wieder an. „Das war nicht gut? Kam mir aber nicht so vor. Also ich fand es sehr gut.“ „Das meine ich doch nicht du Spinner. Ich meine …. Also es wird nur eine Liebelei oder?“ Was wollte sie jetzt hören? Howard wußte auch nicht wo es hinführen würde. „Wieso denkst du das?“ „Nun weil ich hiernach nach Amerika gehe. Habe einen Job im Mirage in einer großen Show und danach ist Paris schon geplant.“ Jetzt war die Stimmung gedrückt, doch Howard reagierte schnell. „Wir haben noch fast 4 Monate vor uns, laß uns jetzt nicht schon daran denken. Es wird sich alles ergeben.“ Die nächsten 4 Monte fragte niemand wieso, warum, weswegen! In der Truppe wußten alle über die Beiden bescheid und es war o.k. Trish hatte sich immer viel zu sehr den Kopf darüber zermartert. Ihre Arbeit störte es überhaupt nicht – noch nicht einmal das Howard auch ihr Tanzpartner war. Im Gegenteil – die beiden waren es die es am gefühlvollsten rüberbrachten wenn sie auf der Bühne standen. Wen wunderte es, sie liebten sich. Die Tour verging wie im Fluge und der letzte Abend war gekommen. Schon auf der Bühne hatte Trish immer wieder Tränen in den Augen. Jedes Lied und jeden Tanz kostete sie noch einmal so richtig aus. Sie hielt Howard so fest wie niemals zuvor bei den Shows. Jeder in der Truppe merkte ihre Anspannung und ließ sie vollkommen in Ruhe. Beim Umziehen liefen Trish immer wieder Tränen die Wangen herunter und sie fühlte sich so schlecht. Immer wieder sagte sie sich, du bist selber Schuld, genau deswegen wolltest du so etwas niemals machen. Jetzt mußt du da durch. Howard fühlte sich nicht besser. Er wußte es war der letzte Abend, schon morgen Mittag ging ihr Flieger nach Amerika. Immer wieder strich er Trish über die Wangen um ihre Tränen zu trocknen. Den anderen brach es fast das Herz die beiden so zu sehen. Gary spielte an diesem Abend „A million love songs“ so gefühlvoll wie noch nie. Alle hatten eine Gänsehaut. Als die Show zu Ende war, hatten sich alle zu einer Abschiedsparty verabredet. Trish und Howard waren nicht die einzigen die sich nun trennen mußten. Zwar waren keine weiteren Paare zustande gekommen, aber nach so einer langen Zeit war eine Trennung immer sehr schwer. Viele Tränen flossen aber es wurde auch viel gelacht. Trish wollte das dieser Abend nie zu Ende geht – aber es war nicht aufzuhalten. Sie verbrachte die Nacht noch einmal mit Howard und er brachte sie zum Flughafen. Der Abschied war auf beiden Seiten sehr tränenreich. „Wir telefonieren und mailen uns – o.k?“ sagte Howard mit stockender Stimme. „Ja, das tun wir“ flüstere Trish ihm ins Ohr. „Letzter Aufruf für den Flug 3999 nach L.A.. Wir bitten alle Passagiere zu Gate 3.“ Trish hätte am liebsten eine Bombe in diese verfluchten Lautsprecher geworfen. „Ich liebe dich, paß auf dich auf“ sagte Howard mit tränenerfüllter Stimme. „Ich liebe dich auch“ sagte Trish und fiel Howard schlurzend um den Hals. Howard blieb so lange vor dem Ausgang stehen bis er Trish wirklich nicht mehr sehen konnte. Dann ging er zum Fenster und schaute noch lange der Maschine am Himmel hinterher. Erst als sie ganz klein und nicht mehr zu erkennen war, verließ er den Flughafen. Die beiden telefonierten die erste Zeit fast täglich, doch dann wurde es immer weniger! Die Mails wurden kürzer und weniger mit Liebesbezeugungen gefüllt. Irgendwann schlief alles ein. Es war wirklich nur eine Liebe für einen Herbst. Die Entfernung war einfach zu groß. Beide hatten ihre Leben und ihre Arbeit die wenig Freiraum ließ. Trish hätte dies alles nicht aufgegeben um bei Howard bleiben zu können und Howard hätte natürlich sein Leben auch nicht tauschen wollen. So kam es wie es vorauszusehen war. Trish blieb ab jetzt bei ihrem Grundsatz. Der Schmerz war einfach zu groß den sie erfahren mußte. Nie wieder verliebte sie sich in einen Tänzer, oder gar ein Mitglied der Band!