Ich weiß nicht, ob es alle von euch wissen, ich bin total vernarrt in den Film "Alexander". Da das der Tschärred (Jared) den Hephaestion spielt tut hier nix zur Sache. Es gibt eine FF Seite im Netz (http://www.fanfiction.de) und da habe ich einen Alexander-Fandom entdeckt gehabt mit absolut umwerfenden und großartigen Geschichten. Dort habe ich eine ganz liebe Person kennenglernt, die ich mir einfach nicht mehr in meinem Leben wegdenken kann. Sie ist Autorin von einigen Alexander FFs und sie hat einen unglaublichen Schreibstil. Und von ihr habe ich eine Geschichte genommen (natürlich mit ihrer Erlaubnis) und habe eine Szene ausgebaut.
Disclaimer: Nichts gehört mir. Die Personen und Orte haben existiert. Die Geschichte ist zum Vergnügen geschrieben wurden, verdiene also kein Geld damit. Inhaltsangabe: Der OS ist ein Anhang an Dryades "Konsequenzen - Postskriptum" und beschreibt Alexanders Gefühlsleben, nachdem er die Wärter, die Hephaestion schreckliches Leid zugefügt hatten, in seiner Wut und Schmerz zur Rechenschaft gezogen hat.
Anmerkung: Dieser Oneshot ist aus einer sms heraus entstanden, die ich Dryade zur allgemeinen Belustigung, oder sagen wir mal zur Motivation geschickt habe. Dass daraus ein Oneshot entstehen sollte, ahnte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Erst als sie mich auf Knien ... ich übertreibe... darum gebeten hat diese sms zu verarbeiten, wusste ich was ich angestellt hatte. Nun ja, wer kann Dryade schon einen Wunsch abschlagen? Ich nicht! So nun hier das Werk. Ich hoffe der OS gefällt euch. Have fun!
Auszug Konsequenzen – Postskriptum (credits by Dryade), damit ihr wisst was vorgefallen war.
Die Wache saß an dem dürftigen Holztisch und ertränkte die Langeweile in einem Kelch Wein, als eilige Schritte auf dem festen Steinboden das Herannahen eines Besuchers verkündeten. Der Mann sah auf und zu der ausgehauenen Treppe, die zu ihm hinunter in die Gewölbe führte. Gegen das grelle Licht des Tages konnte er jedoch nur einen Schatten ausmachen, der zwei Stufen auf einmal zu ihm hinunter nahm.
Ehe er fragen konnte, wer da sei, spürte er einen stechenden Schmerz in seinem Unterleib. Der Mann sah hinab auf die Klinge, die in seinem Fleisch steckte, ehe er es vollbrachte, seinem Angreifer ins Gesicht zu sehen.
Ihm gegenüber stand Alexander, König von Makedonien, von purer Raserei beherrscht. Er zog das Schwert aus seinem Gegenüber und ließ den Körper zu Boden fallen, wo er zuckend liegen blieb.
Der zweite Gefängniswärter entschied seinen Tod, indem er sich von den Geräuschen hatte anlocken lassen. Das letzte was er sah, war der leblose Körper der anderen Wache, ehe Alexander ihm in einer Bewegung den Kopf von den Schultern schlug.
Der König rannte in die unterirdischen Gemäuer, das blutbesudelte Schwert erhoben in seiner Rechten. Der letzte Wachmann musste die Gefahr erkannt haben. Er sah den König und ergriff die Flucht in die tieferen Gänge der Verliese. Er hatte keine Chance. Alexander setzte ihm nach und stellte ihn. Der Mann, panisch wie er war, ergriff selbst die Waffe und erhob sie gegen seinen König. Alexander schlug ihm den Arm ab.
Ungeachtet der schmerzerfüllten Schreie, stieß er ihn gegen die Wand und schnitt ihm die Kehle durch. Alexander wich zurück und sah zu, wie das Blut sich über die Kleidung des Mannes ergoss und dieser zu Boden sank. Erst als er sich vergewissert hatte, dass auch dieser sein Leben ausgehaucht hatte, wandte er sich ab und verließ die Gemäuer.
Alexander stieg über die erschlagenen Wachen und ging zurück zur Stadt, ohne sich ein weiteres Mal umzudrehen. Auf halber Strecke fing er plötzlich an zu schreien. Er schleuderte das Schwert, das er verkrampft in der Hand gehalten hatte, fort, so weit er konnte, ehe er in die Knie sank und das Gesicht in seinen Händen verbarg. Stumme Schluchzer schüttelten seine blutbesudelte Form.
Übelkeit stieg in ihm hoch, als er an all das dachte, was Kleitos und Kassander ihm erzählt hatten. Wie hatte er so blind sein können? „Oh Hephaestion…“
Schmerz war das Einzige, was er fühlte und dennoch würde er nie den Schmerz empfinden, den der verspüren musste, den er gerächt hatte. Der, den sie ihm genommen hatten.
„HEPHAESTION!“, schrie er in den Wind hinein, wohl wissend, dass er keine Antwort erhalten würde. Hephaestion war fort.
Posttrauma
„Alexander…“, sprach Kleitos seinen König an. Als dieser nicht reagierte, legte er seine Hand auf dessen Schulter. „Alexander! Komm, du kannst hier nicht verweilen.“
Der General war Alexander, nachdem dieser die fürchterliche Wahrheit über Hephaestions Leiden erfahren hatte, gefolgt. Wohlweißlich hatte er sich im Hintergrund gehalten und Alexander seine Rache nehmen lassen. Erst als dieser in seinem Schmerz zusammengebrochen war und völlig apathisch vor sich hin gestarrt hatte, war er an ihn heran getreten.
„Alexander! Komm zu dir!“, ermahnte Kleitos ihn energisch. „Du bist König! Verhalte dich wie einer! Was soll dein Volk von dir denken?“
Alexander hörte Kleitos’ Worte nur aus der Ferne; es war ihm gleich, wie das makedonische Volk auf seinen gebrochenen und blutbesudelten König reagieren würde. Genauso wenig nahm er war, dass sein General ihn unter den Schultern ergriff und hochzog. Alexander schloss die Augen. Tränen schimmerten unter seinen dichten Wimpern.
„Verdammt! Sieh mich an!“ Kleitos begann ihn zu schütteln. „Soll ich dich erst übers Knie legen?“
Es war diese Anspielung an längst vergangene Kindheitstage, die Alexander den Kopf heben und seinen Freund aus tränenverschleierten Augen ansehen ließ. „Hephaestion…“, formten seine Lippen, doch kein Laut entrann seiner Kehle.
Kleitos holte tief Luft – für den Moment unfähig, darauf etwas zu erwidern. „Komm, Alexander“, war das Einzige, was er hervorbrachte. Kleitos stützte ihn so gut er konnte, schaute sich noch einmal um, ob auch niemand die Szene zu Augen bekommen hatte und machte sich daran, den König in den Palast zu bringen.
Dort angekommen setzte er Alexander, der nach wie vor kein weiteres Wort sprach, auf einen Schemel und befahl dessen Diener, ein Bad einzulassen. Nachdem dieser einen kurzen Blick auf seinen Herrn geworfen hatte, schickte er sich an, dem Befehl des Generals unverzüglich Folge zu leisten.
Kleitos ging zu einer Kommode, auf der ein Tablett mit Wasser und Wein bereit stand. Ersterem schenkte er nicht einmal einen Blick, sondern griff direkt nach der Weinkaraffe und füllte sich einen Becher randvoll mit der süßen Flüssigkeit. Er trank ihn in einem Zug aus und stellte ihn in einer energischen Bewegung auf dem Tisch vor Alexander ab, so dass dieser erschrocken zusammenfuhr. Alexander starrte seinen Freund mit aufgerissenen Augen an. „Kleitos…? Was…?“, stammelte er, als sähe er ihn das erste Mal an diesem Tage.
„Ach? Wieder unter den Irdischen?“, fragte der General sarkastisch, sparte sich aber weitere Bemerkungen. Stattdessen ging er zu der Kommode zurück, schenkte einen zweiten Becher Wein ein und reichte diesen Alexander.
Alexander schüttelte den Kopf und erhob sich. Auf unsicheren Beinen durchschritt er sein Gemach und trat auf den Balkon hinaus. Er sah über die Stadt hinweg und richtete seinen Blick in die Ferne, in der er Hephaestion wusste. Er konnte es noch immer nicht glauben; Hephaestion war fort, hatte ihn zurückgelassen. Sein geliebter Freund, sein Herz, seine Seele. Wo mochte er sein? Warum durfte, konnte er ihm nicht helfen, die Grausamkeit, die ihm widerfahren war, zu überwinden? Alexanders Finger krampften sich um die Balustrade und er presste seine Kiefer so stark zusammen, dass seine Zähne zu zerbersten drohten.
„Ich habe deinen Diener beauftragt, dir ein Bad einzulassen“, sprach Kleitos, der Alexander mit zusammengekniffen Augen beobachtet hatte und nun hinter ihm stand.
Alexander schluckte. „Danke Kleitos“, erwiderte er mit belegter Stimme. „Ich komme nun alleine zurecht.“
Kleitos runzelte die Stirn. „Bist du dir sicher?“
Der König drehte sich zu ihm um und sprach mit fester Stimme, so gut es ihm möglich war: „Ja! Und nun geh… lass mich allein.“
Der General schwieg und sah Alexander durchdringend an.
Alexander, der seine Ruhe haben wollte und über die Hartnäckigkeit seines Freundes erzürnt war, wiederholte seine Bitte, indem er sie wie einen Befehl äußerte.
Kleitos blieb nichts anderes übrig als sich diesem Befehl zu beugen. Er nickte knapp, leerte seinen Weinbecher in einem Zug und verließ das Gemach ohne ein weiteres Wort.
Gerade als sich die Tür schloss, erschien der Diener und verkündete seinem Herrn, dass das Bad angerichtet sei. Alexander nickte und entledigte sich seines blutbesudelten Chitons. Der Junge nahm das Gewand entgegen und starrte Alexander irritiert an. Zu lange für dessen Empfinden. „Verbrenne ihn!“, befahl er harsch. Der Diener zuckte zusammen und stotterte ehrfürchtig: „Ja… mein… König… aber… aber Euer Bad… ich…“ „Ich habe dir befohlen, ihn zu verbrennen, also tu was ich sage!“, herrschte Alexander ihn ein weiteres Mal an. „Ich nehme mein Bad allein! Und ich will von niemandem gestört werden!“
Wieso ließ man ihm nicht einfach seine Ruhe? Er wollte doch nur mit seinem Schmerz um Hephaestion, von dem er nicht wusste, wann und ob er ihn überhaupt wieder sehen würde, allein sein. War es denn zu viel verlangt?
Der Diener, der eine mögliche Bestrafung fürchtete, eilte raschen Schrittes davon. Alexander atmete erleichtert aus und rieb sich über das Gesicht. Er fröstelte, obwohl die Sonne ihre wärmenden Strahlen in das Gemach warf. Alexander war allein, einsam und die Sehnsucht nach dem wärmenden Körper seines Geliebten übermannte ihn. Sie schlug wie eine riesige Welle über ihm zusammen. Eine Welle aus reinem, tiefem Blau, das ihn an Hephaestions Augen erinnerte. Alexander war von einer Leere erfüllt, die ihn aufzufressen drohte. Er stolperte auf sein Bett zu; vergessen war das wärmende Bad. Wie ein Kind krabbelte er unter die Decke, vergrub sein Gesicht in einem Kissen und ließ den Tränen freien Lauf. Sein Schluchzen erfüllte selbst den kleinsten Winkel seines Gemaches.
Der unendliche Schmerz in seinem Inneren war unerträglich. Es war zu viel. Das Wissen über Hephaestions Qualen, das Wissen wer sie ihm angetan hatte, ließ ihn schier durchdrehen. ‚Attalos, du sollst im Tartaros verrotten! Und leiden sollst du, wie Hephaestion… nein, noch schlimmer!’, dachte Alexander. „Ich hätte dich eigenhändig umbringen sollen!“, schrie er in das Kissen. Seine Gedanken überschlugen sich und die Verzweiflung schnitt wie eine scharfe Klinge in sein Herz.
„Hephaestion, oh Hephaestion… habe ich dich enttäuscht oder im Stich gelassen? Sollte ich mich schuldig fühlen? Ich wäre für dich da, wenn es dich doch nur kümmern würde. Ich bin ein Träumer. Aber wie soll ich schlafen, wenn du mich nicht schlafen lässt? Wie soll ich es ertragen, zu erwachen, wenn ich erkennen muss, dass du nicht bei mir bist und ich spüre, wie meine Seele jedes Mal erneut zerbricht. Es sind meine Träume, die du mitnimmst, wenn du immer weiter in die Ferne ziehst. So weit weg von mir. Erinnere dich doch an mich! Erinnere dich an uns und an all das, was wir waren! Du hast als Einziger mein Herz, meine Seele berührt. Du hast mein Leben und all meine Ziele verändert.“
„Jede Faser meines Körpers verlangt nach dir; deinen blauen Augen, in denen ich jedes Mal zu versinken glaube, deinen Lippen, die jeden Kuss zu etwas ganz Besonderem machen, deinen Fingern, die eine heiße Spur der Leidenschaft auf meiner Haut hinterlassen, deinem Geruch, der meine Sinne betäubt, deinem Lächeln, das meine Seele liebkost, wie warme Sonnenstrahlen. Ja, Hephaestion, als ich dich fand, war es, als stiege Helios in seinen Sonnenwagen, um das Himmelsfirmament zu erleuchten.“
„Ich verzehre mich nach dir. Ich habe dich weinen und lachen gesehen und über deinen Schlaf gewacht. Ich kenne deine Ängste und du kennst die meinen. Zweifel hatten wir, doch haben wir sie nie gewinnen lassen. Ich liebe dich! Ich schwöre, es ist wahr. Ich kann ohne dich nicht leben. Ich bin so leer, fühle mich wie tot. Wo bist du ´Phaestion, so ganz allein? Warum habe ich dich bloß fortgehen lassen? Du hast meine Seele mitgenommen. Sie wird dich beschützen, auch wenn du dich noch so dagegen wehrst. Es mag für dich vorbei sein, aber ich werde und kann nicht aufhören, an uns zu glauben und ich werde nie… niemals aufhören, dich zu lieben, mein Freund, mein Geliebter, mein Seelenverwandter. Nein, du wirst kein Lebewohl hören. Das kannst du nicht von mir verlangen!“
Ein Windhauch streifte sanft über Alexanders Beine. Abrupt setzte er sich auf. „Hephaestion?“, flüsterte er, doch bedrückende Stille war die einzige Antwort, die ihm begegnete. Hephaestion war nicht zurückgekehrt. Alexander war allein. Eine Träne rann über seine Wange und perlte salzig von seiner Lippe. Resigniert sank Alexander zurück auf die Laken und starrte zur Decke empor. „Nein, ein Lebewohl wirst du nicht von mir hören. Und wenn du nicht den Weg zu mir findest, so werde ich dich finden“, sprach er leise. Es waren die letzten Worte, die er an diesem furchtbaren Morgen sprach. Schwer senkten sich seine Lider über die geröteten Augen und Alexander, König von Makedonien, fiel erschöpft in einen unruhigen Schlaf.